Die Holzbaukultur in Baden-Württemberg hat viel Potenzial für die Zukunft.

In keinem Bundesland wird mehr Holzbautechnologie entwickelt. Ständig werden neue Materialien erforscht und Baumethoden entworfen: vom Massivholzbau über die Rahmenbaumethode bis zum modernen Skelettbau. Und die Quote der Holzhäuser und Bauwerke steigt trotz der vielen Vorurteile. Vielleicht sitzen Sie ja auch in einem? Dennoch führen uns andere Regionen wie das österreichische Vorarlberg oder Skandinavien vor Augen, dass architektonisch und städtebaulich noch viel mehr möglich ist.

Holz: Riese mit Fliegengewicht im urbanen Städtebau.

Spätestens seitdem das Brettsperrholz salonfähig ist und Schichtbalken in verschiedenen Formen in Längen von 50 Meter und mehr am Stück lieferbar sind, wachsen die beeindruckenden Referenzen quer über den Globus von Jahr zu Jahr. Holz erlaubt Spannweiten, die weitaus größer sind, als es mit Stahl oder Beton darstellbar wäre, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Wolkenkratzer aus einer Holzkonstruktion in einer der Metropolen steht. Denn die 100-Meter-Marke kann der Baustoff problemlos überschreiten. Windräder aus Holz sind heute schon 160 Meter hoch. Und sein geringes Eigengewicht lässt ganze Siedlungen auf den Dächern der Städte entstehen.

70 % der Bauwerke in urbanen Nischen sowie bei An- und Ausbauten werden aus dem natürlichen Material gefertigt. In Stockholm steht eine kleine Stadt auf dem ehemaligen Postbankgebäude und erschließt wertvollen Wohnraum. Und architektonisch reizvolle, leuchtend blaue Häuser krönen das Dach einer ehemaligen Kleiderfabrik in Rotterdam.

Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein.

Holz muss sich kaum selbst tragen im Vergleich zu Stahl und belastet vorhandene Baukörper viel weniger. Das geringe Gewicht macht Holz auch viel leichter transportierbar, was die Baukosten enorm senkt. Seine Flexibilität bei gleichzeitiger Steifigkeit und Festigkeit machen Holz zum idealen Baustoff nicht nur in Erdbebenregionen. Moderne Werkstoffe wie Schichtfurnierplatten und Bauverfahren wie die Hybridbauweise aus Holz und Beton erweitern die Möglichkeiten für Architekten und Bauherren. Man muss sie nur nutzen. Vielleicht sind ja bald schon 40 % der Häuser in Baden-Württemberg aus dem Material gebaut, das unsere Wälder liefern – ebenso ökonomisch wie ökologisch, ebenso sehenswert wie beeindruckend.