Tradition neu interpretiert

Anja Kluge und Ingolf Gössel (gk Gössel + Kluge Generalplaner GmbH)

Der Kienzlerhansenhof

Wohnraum im Kienzlerhansenhof

Jochen Scherzing (Inhaber Artwood)

Atelier Artwood Ausstellungsstück

Förster Rolf Leimgruber im Gespräch mit der Gruppe

Forststützpunkt St. Peter

Ausstellungssaal in der Rainhof Scheune

Festsaal in der Rainhof Scheune

Exkursion des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhofs Stuttgart und der proHolzBW GmbH zeigt Bau- und Handwerkskünste im Schwarzwald am Schmelzpunkt von Tradition und Moderne

Ostfildern, 30. April 2018. Mehr als 30 Teilnehmende gingen am 30. April 2018 mit dem Hospitalhof Stuttgart und proHolzBW auf eine Exkursion zur Erkundung der „Destination Black Forest“, des Schwarzwalds. An vier Stationen, dem Kienzlerhansenhof, dem Atelier Artwood, dem Forststützpunkt St. Peter und der Rainhof Scheune lernte die Gruppe Häuser, Wälder und Geschichte(n) kennen. Die Busrundfahrt war eingebettet in die Reihe Wald – Holz – Kultur des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart.

Los ging die Tour in Schönwald im Schwarzwald bei Anja Kluge und Ingolf Gössel, gk Gössel + Kluge Generalplaner GmbH Stuttgart, und ihrem vor 430 Jahren in Skelettbauweise errichteten „Ein-Dach-Haus“, das als eines der ersten zweigeschossigen Gebäude Europas gilt. Sie berichteten, wie sie den 27 Meter langen und 18 Meter breiten „Kienzlerhansenhof“ 2014 erwarben und ihn mit viel Herzblut zweieinhalb Jahre lang umbauten - inklusive Entkernung, Rückbau, Bauforschung und teilweise Neuinterpretation. „Die riesige Dachfläche, die 1000 Kubikmeter Raum umfasst und das Haus prägt, ist mit weitgehend noch im Original erhaltenen Schindeln dreifach gedeckt. Sie soll erlebbar bleiben“, so Gössel. „Daher nutzen wir den Dachraum heutzutage multifunktional: als Büro-, Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche sowie für die Lagerung von Heuballen im Sommer, da wir den Hof neben der Arbeit in unserem Architekturbüro in Stuttgart noch selbst in Teilen bewirtschaften.“ Heute weist der Hof beste Wärmedämmwerte nach aktuellem Standard auf und hat Vorbildcharakter für andere Schwarzwaldhöfe.

Bei der zweiten Station lud Jochen Scherzinger, Inhaber des Atelier Artwood im Hübschtal, Gütenbach, dazu ein, sich seine dort ausgestellte Mode und Kunst anzusehen. Ob aus Wollstoffen, Kord und Samt gefertigte Shirts, Schirmmützen, Mäntel und Hosen im Trachtenstil oder Fotografien auf Altholz, Leinwand oder Glas – das von Scherzinger entwickelte Schwarzwald-Label „Heimatstolz“ bringt die Verschmelzung von Tradition und Moderne auf unvergleichliche Weise zum Ausdruck. „Anfangs hatten wir Streetwear im Fokus. Jetzt macht Kleidung nur noch 30 Prozent des Geschäfts aus, dagegen ist die Nachfrage nach Kunstdrucken enorm gestiegen“, berichtet der studierte Modedesigner Scherzinger aus seiner sechsjährigen Selbstständigkeit. „Doch am beliebtesten sind die Motive mit Bollenhut“, stellt er fest. „Unsere Produkte sind im Einzelhandel erhältlich, aber nicht an jeder Ecke, damit es etwas Besonderes bleibt“, so der Atelierinhaber.

Weiter ging die Tour zum Forststützpunkt St. Peter. Der Entwurf der Gesamtanlage basiert auf der Idee, die unterschiedlichen Nutzungsbereiche als eigenständige Baukörper zu organisieren und diese, unter Berücksichtigung der Bestandsgebäude, so zu platzieren, dass ein zentraler Werkhof als Zentrum der Anlage entsteht. Architekt Jochen Weissenrieder, Weissenrieder Architekten BDA Freiburg, und Förster Rolf Leimgruber, Forstverwaltung Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, stellten die Gebäude des Ensembles vor, welche als Bürogebäude, Fahrzeug- und Wartungshalle, Lagerraum, Tankstelle, Waschanlage und Garage dienen. Im Bürogebäude sticht neben schönen Holzwänden und -decken in Fichtenholz der hellgrüne Boden hervor. „Dadurch soll das Bild eines Waldspaziergangs vermittelt werden“, erklärt Leimgruber. Während eines tatsächlichen Spaziergangs im Forststützpunkt beantwortet der Förster viele Fragen rund um den Wald und erläutert, dass die drei Hauptbaumarten seines Reviers Fichte, Weißtanne und Buche seien. „Wir haben naturgemäße Wirtschaftswälder“, fasst er zusammen.

Zuletzt steuerte die Gruppe unter der Leitung von Jan Bulmer, Clustermanager proHolzBW, die Rainhof Scheune in Kirchzarten an, die Tradition und Moderne erlebbar miteinander verbindet. Die sanierten denkmalgeschützten Räume sind mit alten und neuen Elementen eingerichtet und können als Location für Feierlichkeiten gebucht werden. Die Scheune ist seit 2010 mit neuem Konzept in Betrieb. Heute bietet sie eine Gaststätte, ein Hotel mit Wellnessbereich, einen Buchladen, wechselnde Ausstellungen und einen Weißtannen-Showroom.