Cluster innovativ Holzbau heute - Fachexkursion Golfclubhaus Mannheim

Joachim Hörrmann, proHolzBW, und Matthias Elsässer, Elsässer Holzbauwerte, begrüßten die Teilnehmenden des Cluster innovativ Holzbau heute – Fachexkursion Golfclubhaus Mannheim am Dienstag, 21. Februar 2017, im Betrieb des Holzbauunternehmens Elsässer in Mannheim. Ein Rundgang durch die Fertigung mit kurzem Vortrag zum Holzrahmenbau, zur Massivholzmauer und zu Brettstapelelementen verschaffte den Architektinnen und Architekten, kommunalen Entscheidern und weiteren Interessierten eine detaillierte Vorstellung zur Fertigung von Holzbauelementen. Danach besuchte die Gruppe das von Elsässer erstellte Objekt für den Golfclub Mannheim-Viernheim, Bauherr des Vorzeigebeispiels.

Herr Elsässer berichtete im Golfclubhaus von der Bauphase und zeigte Fotos vom Baubeginn bis hin zur Fertigstellung, um die Holzbauweise des Golfclubhauses unter Beweis zu stellen und zu veranschaulichen, da der Werkstoff Holz nur teilweise am Gebäude sichtbar ist. Die Tragwerksplanung wurde von Daske Architekten und Ingenieure, Hirschberg an der Bergstraße, realisiert. Die Architektur stammt von Architekten Leistner und Partner, Mannheim. Mit der Veranstaltung schaffte proHolzBW einen idealen Rahmen, um über Entwicklungen und moderne Lösungen miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn die Planer und Bauherren stehen aktuell vor einer Vielzahl an komplexen Herausforderungen. Vernetzung und Austausch eröffnen dabei neue Perspektiven zum Verständnis des Baustoffs Holz. Modernes Bauen in Zeiten von Klimawandel, Energiewende und Umweltschutz war ein Leitgedanke des Cluster innovativ. Anstöße zu zukunftsfähigen Lösungen gaben die Vorträge der vier Referenten.

Prof. Dipl.-Ing. Kurt Schwaner, Institut für Holzbau an der Hochschule Biberach, referierte zunächst über Neuigkeiten im Holzbau angefangen von Leuchtturmprojekten im Holzhochhausbau wie dem LifeCycle Tower (LCT One) in Dornbirn. Bei diesem Gebäude von Architekt Hermann Kaufmann wird ein Stockwerk in nur einem Tag errichtet – das schnellste Gebäude der Welt. Das gelingt dem Holzbau durch einen sehr hohen Vorfertigungsgrad. „Beim LCT One werden die Verformungen aus Druck quer zur Faser durch einen Querträger aus Beton in der Holz-Beton-Verbunddecke ausgeschlossen“, so Schwaner. Des Weiteren verwies er unter anderem auf den seit wenigen Wochen gestarteten Bau des Holzhochhauses HoHo in Wien mit 24 Stockwerken. „Die höchsten Holzgebäude sind derzeit in London mit Eichenanteilen und in Chicago mit buchenbasierten Werkstoffen jeweils 80-stöckig mit 300 Meter Höhe in Planung. Der Schlüssel dabei ist es, Querlagen von Holz zu vermeiden und stattdessen auf Lastabtragung in Längsrichtung zu setzen“, ergänzte Schwaner.

Außerdem zeigte er, dass „siebengeschossige Häuser aus Brettsperrholz eine Standsicherheit im Erdbeben von 8,5 Richterskala ohne jegliche Schädigungen erreichen, dank der sehr duktilen, zähen, Verbindungmittel.“ Er erläuterte den Teilnehmenden des Weiteren die Leistung von Vollgewindeschrauben, eingesetzt in der Messehalle 11 in Frankfurt, die mit 65 Metern Spannweite beeindruckt. Die Zugtragfestigkeit im Versuch betrug 1.300 Tonnen. Daraufhin zeigte Schwaner auf, dass Laubholz über eine deutlich höhere Festigkeit als Nadelholz verfügt und daher die Querschnitte bei gleicher Belastung deutlich schlanker werden.

Dipl.-Ing. Holger König, Ascona Gesellschaft für ökologische Projekte, Gröbenzell bei München, gab einen Einblick in das Bauen mit Holz als Bauen für die Zukunft mit Erläuterungen zur Lebenszyklusbilanz. Zunächst erläuterte König das Nachhaltigkeitsdreieck bestehend aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Komponenten. Er verwies in seinem Vortrag auf ein Forschungsprojekt, das die Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden und die Umsetzung neuer Anforderungen an Ökobilanzen und Ermittlung empirischer Substitutionsfaktoren thematisiert. Dies soll einen Beitrag zum Abbau von Hemmnissen für den verstärkten Einsatz von Holz im Bausektor leisten. König stellte das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Bauprojekt Gymnasium Diedorf, ein Plusenergiegebäude, vor. Er ließ die Teilnehmenden wissen, dass das Objekt nun zwei Jahre lang ein Monitoring durchläuft.

Zum Thema „Luftdicht und energiesparend Bauen mit Holz“ gab Dipl.-Ing. (FH) Martin Epple, Bau.Tragwerk, Aulendorf, wertvolle Einblicke. Zunächst machte er die Teilnehmenden darauf aufmerksam, dass es den energiesparenden Wärmeschutz und den Mindestwärmeschutz zu unterscheiden gelte. „Für den Holzbau stellt energiesparender Wärmeschutz, der die Betriebskosten reduziert, in der Regel keine große Hürde dar“, betonte Epple. „Es lassen sich bei den Außenbauteilen sehr gute Wärmedämmwerte erreichen“, so der Fachmann weiter, „nämlich erstens über eine Reduzierung der Holzanteile in der Dämmebene und zweitens durch Optimierung der Wärmebrücken im Bereich von Bauteilanschlüssen“. Beim Mindestwärmeschutz, der für den Holzbau zumeist ebenso problemlos zu erfüllen ist, zeigte er Details vom Taupunkt bis zum Schimmelpunkt auf. Vor allem im Bereich der Altbausanierung und Aufstockung solle den Bestandsbauteilen die notwendige Sorgfalt in der Planung gewidmet werden.

Er informierte weiterhin zum Feuchteschutz allgemein auf Basis der DIN 4108-3:2014-11 sowie im Zusammenhang mit der Luftdichtheit über Konvektion, welche zu deutlich größeren Feuchteeinträgen in die Konstruktion führen kann als durch die üblicherweise mittels Verfahren nach Glaser berücksichtigte Diffusionsbilanz. Es wurde deutlich, dass luftdichtes Bauen zur Vermeidung von Feuchteschäden innerhalb der Konstruktion unerlässlich ist. Den abschließenden Block bildete der Feuchteschutz nach DIN 4108-3:2014-11 in Verbindung mit der Holzschutznorm DIN 68800-2:2012-02. Hierbei ging Epple auf die Grundlagen der Bauteile ein, für welche gemäß DIN 4108-3:2014-11 kein rechnerischer Nachweis der Tauwasserfreiheit erforderlich ist. „Wichtig ist, dass die Ausgabe der Norm DIN 4108-3:2014-11 grundsätzlich für die Belange des konstruktiven Holzschutzes zusätzlich auf die Holzschutznorm DIN 68800-2:2012-02 verweist“, präzisierte Epple.

Insofern solle nicht nur die Wasserdampfdiffusion durch aufeinander im Bauteil abgestimmte sd-Werte begrenzt werden, sondern gleichzeitig bei Holzbauteilen zwischen zwei stark dampfbremsenden Ebenen eine ausreichende Trocknungsreserve gewährleistet werden. „Diese Trocknungsreserve berechnet sich als Differenz einer möglichen Tauwassermenge in der Heizperiode sowie der Verdunstungsmenge außerhalb der Heizperiode. Vor diesem Hintergrund bergen Bauteile, bei denen Hölzer und Holzwerkstoffe zwischen zwei dampfdichten Bauteilschichten liegen, ein hohes Risiko und sind deshalb nicht mehr als dem Stand der Technik zu betrachten“, ließ er die Zuhörenden wissen.

Informationen zur proHolzBW und zu den Broschüren des von proHolzBW unterstützten Informationsdienst Holz gab Herr Dipl.-Holzwirt Christoph Jost, Fachberater Holzbau der proHolzBW, Ostfildern. Er zeigte der Gruppe damit fundierte und praxisorientierte Materialien zum Planen und Bauen mit Holz. Die Teilnehmenden erhielten jeweils eine Broschüre zum Holzschutz des Informationsdienst Holz, zum Thema Holz als uralter Baustoff - zeitlos modern sowie eine Sonderausgabe des Holzbau und Ausbau-Magazins mikado zu Holzwohnbauten für Geflüchtete. Herr Joachim Hörrmann, Koordinator im Bereich sozialer Wohnungsbau bei proHolzBW, moderierte die Vortragsreihe und lud die Teilnehmenden zu einem Besuch ins Forum Holzbau in Ostfildern ein.